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Wie ein Fisch im Wasser ...
Mit Wassertherapie alte Verhaltensmuster lösen und neues Körperbewußtsein schaffen

naturel - Eintauchen ins Leben, Heft 23, 12/2004
(Auszug, kompletter Artikel als PDF Download)

Euer Weg zur Wassertherapie begann an einem heißen Sommertag, als Ihr ermutigt wurdet, Eure Tai Chi-Übungen im Wasser zu versuchen. Wie habt Ihr diesen Schritt ins Wasser empfunden?

An diesen Moment kann ich mich noch genau erinnern. Nachdem wir eine Weile experimentiert hatten und langsam ein Einklang entstand zwischen meinem Körper, dem Wasser und meinen vielfältigen Empfindungen und Emotionen, war es wie ein Lachen und Weinen gleichzeitig. Wie konzentrische Kreise im Wasser, wenn man einen Stein hineinwirft, breitete sich das innere Wissen aus, in welche Tiefen diese Arbeit führen kann.

Die Wassertherapie, bei der ich das Wasser selbst, als den größten Therapeuten begreife, kann uns dabei helfen, auf völlig sanfte Weise wieder heil zu werden - im Umgang mit uns selbst, den anderen und der Welt.

Und ich wünsche mir, dass in Zukunft viele Menschen Liebe und Respekt für das Wasser entdecken, das etwa 2/3 unseres Planeten bedeckt und fast 80 Prozent unseres Körpers ausmacht. Vermutlich ist es neben der Luft das wichtigste Element überhaupt für das Leben auf der Erde.

Ihr schreibt in Eurem Buch: „Wer neugierig ist, kann im Wasser viel über sich selbst erfahren." Welche Erfahrungen und Erkenntnisse sind das häufig und welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für die Wasserarbeit?

Das größte Staunen entsteht auf der seelischen Ebene. Die meisten Menschen können es nicht begreifen, wie innerhalb einer Stunde zwischen zwei Menschen, die sich zum ersten Mal begegnen, eine solch tiefe Verbundenheit entstehen kann.

Und genau das ist die Voraussetzung für den Heilungsprozess. Nur der Mensch, der sich angenommen fühlt, kann Vertrauen entwickeln und sich für lösende Impulse öffnen. Impulse, die nicht nur seine Oberfläche, also die Muskulatur, ansprechen, sondern die unter seinen Schutzschichten den erreichen, der er eigentlich ist.

Mit der Wiederentdeckung des inneren Bewegt- und Berührtseins kann ein befreiender Prozess beginnen. Der Mensch spürt, dass er sich auf die Suche machen muss zu sich selbst. Und das nicht nur mit seinen starken, rational-männlichen Aspekten, sondern auch mit seinen weichen, weiblichen Seiten.

Im körperwarmen Wasser begibt sich der Mensch ganz selbstverständlich in diesen Raum des Vertrauens, der stillen Selbsterfahrung und des absoluten Wohlgefühls. Hier definiert er sich nicht länger über sein Tun, seine Leistung, sondern erfährt wieder einmal den Zustand des Seins in seinem Leben.

Wer sich auch an Land an diese Qualitäten erinnert, wird privat und beruflich wieder mehr fühlen und genießen können. Im besten Falle wird er regelmäßige und bewusste Pausen machen und nicht nur Zeitpläne einhalten, sondern mehr nach seinen Bedürfnissen leben.

Es ist mir wichtig, die Bedeutung der Wassertherapie auf der seelischen Ebene so ausführlich anzusprechen, weil die Zeit (Wassermann-Zeitalter) reif ist, vom Wasser zu lernen: Wir sollten uns von seiner Sanftheit im Sinne einer umfassen-den Friedfertigkeit inspirieren lassen.

Wassertherapie, wie Ihr sie entwickelt haben, ist immer ein Zusammenspiel von Klient und Begleiter, eine Kommunikation zwischen beiden. Auf welchen Ebenen funktioniert diese Kommunikation?

Die Kommunikation in der Wassertherapie ist fast ausschließlich nonverbal. Anstelle der Worte tritt die Berührung - direkt, sanft, achtsam und ehrlich. Sie wird im Wasser übrigens viel selbstverständlicher zugelassen als an Land.

Wie wichtig Berührung für unsere gesamte Entwicklung ist, zeigt folgende Un-tersuchung: Kinder, die in ihren ersten drei Lebensjahren selten liebkost und gestreichelt werden, haben in der Schulzeit eine bis zu 30 Prozent verminderte Hirnleistung. Weiterhin stellt die Studie fest, dass sie später kaum in der Lage sind, auf Dauer eine glückliche Paarbeziehung aufzubauen.

Wie berührungs- hungrig Menschen sind, spüren wir auch ganz deutlich in unseren Anwendungen. Die Wassertherapie lädt ein zu einer Kommunikation, wie wir sie uns alle zutiefst wünschen. Gemeint ist die sanfte und aufmerksame Berührung. Eine Berührung, die nichts bestimmtes will, sondern einlädt zum Aufgehobensein.

Mein Mann und ich geben den Menschen in unseren Armen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit und Hinwendung. Und es ist schön zu beobachten, wie verspannte, manchmal schon fast versteinerte Körper unter unseren Händen zu schmelzen beginnen. Dieses Schmelzen kann man nicht 'machen' oder gar erzwingen, denn man kann auch keine Knospe anschreien, damit sie sich schneller öffnet.

Das 'Öffnen' des Körpers hat mit interessiertem Forschen, Hingabe und geduldigem Dranbleiben zu tun. Wir versuchen dabei den Menschen mit Hilfe unserer Hände eine Vision zu zeigen, für die es sich lohnt, alte (Ver-)spannungsmuster über Bord zu werfen. Dann kann ein Raum entstehen, in dem Geben und Nehmen gleichermaßen möglich ist. Die Wasseranwendung wird zu einem vitalisierenden Tanz und zum Genuss.

Ein weiteres Prinzip ist der Rhythmus. Er stellt sich im Wasser, wie in keinem anderen Element, fast von selbst ein. Er liegt als schwingendes Geschehen zwischen zwei Polen allen Lebensprozessen zugrunde. Es ist wichtig, diese elementaren Rhythmen im Körper, wie z.B. Herzschlag, Atemgeschehen, Lymphfluss, Darmperistaltik und cranio-sacraler Puls so auszugleichen, dass sie wieder harmonisch ineinander greifen.

Dabei ist das Wasser ein wirksames Medium. Durch den hohen Wasseranteil im eigenen Körper tritt der Mensch sehr schnell in heilsame Resonanz mit dem Wasser um sich herum. Das nennt man Homoöstase. Dadurch erkennt der Körper ganz selbstverständlich seine ureigenen Rhythmen wieder und kann ihre lebensunterstützende Wirkungsweise wieder aufnehmen. Blockaden können schmelzen und Energie kommt wieder in's Fließen. Gesundheit und ein gesteigertes Lebensgefühl sind die Folge.

Wichtig erscheint mir in Eurer Arbeit der Begriff des AQUA Flow. Was genau verbirgt sich dahinter?

Ich glaube, dass der Flow ein Kind des Wassers ist, denn mit seinen Fließeigenschaften ist das Wasser der perfekte Vermittler von Flow- Zuständen. Der Mensch im Flow ist im Einklang mit all seinen Körperfunktionen und Empfindungen. Alle Sinneskanäle sind gleichermaßen auf Senden und Empfangen geschaltet, und es entsteht die Gewissheit, dass alles gut und möglich ist.

Im warmen Wasser wird Flow oft so empfunden, als sei er nicht nur in uns, sondern ginge über uns hinaus. Der Mensch ist eingehüllt in ein pulsierendes Energiefeld. In diesem Zustand des glückseligen Fliessens, also im AQUA Flow, gewinnen wir unsere ganze Kraft zurück. Die Qualitäten reichen von entspannt über schmerzfrei bis hin zu dem Gefühl ‚neu geborgen' zu sein. So weist uns das Wasser den Weg zum Wesen von Bewegung und Beweglichkeit und ver-mittelt uns das körperlich spürbare Wissen, dass alles fließt: panta rhei.


Wem würdet Ihr die Möglichkeiten der Wassertherapie besonders empfehlen und gibt es Menschen, für die diese Form der Therapie nicht geeignet ist?

Die Wassertherapie ist an kein bestimmtes Alter gebunden. Junge Menschen können genauso von ihr profitieren wie ältere. Kinder und Jugendliche, die durch die Schule und viele andere zusätzliche Aktivitäten mehr belastet sind, als wir ahnen, erleben die Zeit im Wasser als Entlastung, Ruhepause und Los-lassen-Können. Das zeigt regenerierende Wirkung, und sie fühlen sich ausgeglichen, gestärkt und geborgen - was sie natürlich auch an Land mit neuer Kraft und Selbst-Bewusstheit erfüllt. Bei Erwachsenen ist die Wirkung ganz ähnlich, denn die o.g. Faktoren sind mitbestimmend für schnellere Beruhigung und Erholung nach Stress, größere und anhaltendere Konzentration und Wachheit.

Ältere Menschen, aber auch die sogenannten Unsportlichen, machen die erstaunliche Erfahrung, wie unerwartet beweglich sie im Wasser sind. Viele übertragen das an Land und sind überrascht, dass es auch hier funktioniert. Das Beeindruckendste ist jedoch, dass die alten Leuten durch die wieder entdeckte Bewegungsfreiheit sicherer werden und sich tatsächlich seltener verletzen.

Für Sportler ist die Anwendung im Wasser eine kreative Zeit der Regeneration. In der schwebenden Leichtigkeit können sie sich nicht nur erholen, sondern auch wesentliche Entdeckungen machen. Durch die verlangsamten und rezeptiven Bewegungen im Wasser lernen sie, genau zu unterscheiden. Sie richten zunächst ihre Aufmerksamkeit auf die Ökonomie in ganz kleinen Bewegungen, um sie dann auch bei größeren und komplexeren Bewegungseinheiten beizubehalten. Die Fähigkeit der differenzierten Wahrnehmung und die Zunahme an Bewusstheit über die Art und Weise, wie sie ihren Körper gebrauchen, gibt ihnen die Grundlage, sich in ihrem ganz speziellen sportlichen Bereich entspannter und sicherer zu fühlen. Leistung optimiert sich und die Verletzungsgefahr wird verringert. Als Steffi Graf noch im Geschäft war, hätte ich sie gerne vor und nach den Trainings wassertherapeutisch begleitet.

So findet die Wassertherapie ganz allmählich Zugang in eine Vielzahl von Bereichen - von der Behindertenarbeit bis hin zur Rehabilitation nach Unfällen oder Operationen. Es erschließt sich ein ganz neues Berufsbild, denn auch im Wellnessbereich der vielen Thermen, die momentan wie Pilze aus dem Boden spriessen, sind Wasseranwendungen überaus beliebt.

Welche Voraussetzungen benötigt man, um selbst wassertherapeutisch zu arbeiten?

Die InBalance Wassertherapie ist eine vielseitige Energie- und Körperarbeit - eigenständig oder als wirksame Begleitung in fast allen Bereichen. Menschen, die mit ihr arbeiten möchten, müssen wissen, dass es sich nicht nur um Techniken handelt, sondern um sensible und achtsame Praktiken, die viel geübt und verinnerlicht werden müssen, damit sie das Wasserbaby auf allen Ebenen erreichen.

Wir bilden Interessierte in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Alternative Medizin über einen Zeitraum eines Jahres aus. Sie sollten eine therapeutische, pädagogische oder soziale Vorbildung mitbringen.

Bei all unseren Anwendungen, und das sind mittlerweile mehr als dreitausend, spüren wir bei jedem Menschen den Wunsch , in Frieden zu leben, glücklich und gesund zu sein. Doch Glück gibt es nicht ohne Frieden in Geist und Herz, und Frieden in Geist und Herz gibt es nicht ohne Gesundheit. Viele Methoden werden angeboten, um gesund im umfassenden Sinn zu leben. Die guten haben alle einen gemeinsamen Wesenskern: Den inneren Frieden derart zu stärken, dass äußerer Frieden sich einstellen kann. Frieden beginnt in uns selbst und nirgendwo anders. Mit der Wassertherapie tragen wir unseren Teil dazu bei.

Daher empfehlen wir die InBalance-Wassertherapie-Ausbildung Menschen, die selbst noch wachsen und sich entdecken wollen. Durch die Arbeit im Wasser kann sich die eigene Lebensqualität und die des Wasserbabies in persönlichen und/oder beruflichen Beziehungen bereichern, verbessern und vertiefen.

Das Interviwe führte: Christiane Thomas

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