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Lösung, Entspannung, Erfahrung
Wasser als Erfahrungsraum

ab40 - Zeitschrift von, für, über Frauen. Wie sie leben, was sie denken, wer sie sind. Nr. 4 / 2002,
Artikel von Ricarda Geiszler
(Download des Original-Artikels als PDF)

In unserem Leben geht es darum, Erfahrungen zu machen. Erfahrungen, die wir sind. Erfahrungen, die wir verkörpern. Tun wir dies, werden Gesundheit und Wohlbefinden Nebenprodukte. In den Vordergrund treten Phänomene wie Wachstum, Grenzen, Formen, Energie. Wir erfahren , dass wir mit allem verbunden sind, mit und durch Raum und Zeit hindurch. Warum das gerade im Wasser so gut geht, können wir erst begreifen, wenn wir mit offenen Sinnen hineinsteigen und vom und mit dem Wasser zu lernen beginnen.

Wasser

Wasser ist eine farblose Flüssigkeit,
die uns die Farben des Regenbogens zeigt.

Es hat keine Form,
sondern gibt allem eine Form.

Wasser ist Milliarden Jahre alt,
und dennoch verjüngt es sich selbst unaufhörlich.

Es steht am Anfang und am Ende eines Lebenszyklus.

Wasser sorgt für eine ständige Wechselwirkung
zwischen der Erde und allen anderen Planeten im Kosmos.

Jeder Tropfen ist ein Mikrokosmos,
der Informationen aus uralten Zeiten und aus Welten,
die wir nicht begreifen können, in sich birgt.

Wasser ist flüssig, fest und gasförmig.
Wasser ist allgegenwärtig.

Wasser ist der Schlüssel zu unserer Gesundheit,
und wir sind der Schlüssel zu seiner Gesundheit.

[Charly Ryrie aus "Heilende Energie des Wassers"]

Schwebende Dynamik und fließende Ruhe

Von außen, vom Beckenrand aus betrachtet, vermittelt die Wasserarbeit Intimität und Nähe. Der Begleiter hält den Klienten auf seinen Unterarmen, so wie eine Mutter ihr Baby hält. Das Wasser hilft: Es übernimmt den Großteil des Gewichts. Der Begleiter setzt Impulse. Er schaukelt sein ‚Baby' im Zeitlupen-tempo von sich weg und auf sich zu. Er lässt es langsam sinken, um es im nächsten Moment wieder zu halten.

Jetzt drückt er den Körper des Klienten sacht zusammen und gibt ihm danach die Möglichkeit, sich weit auszudehnen. Schließend und öffnend wiederholt der Begleiter diese Bewegungen viele Male. Dieser gleichbleibende Rhythmus des Gehalten-Seins vermittelt Sicherheit. Jetzt können die konzentrischen Kreise beginnen: Der Klienten gleitet durch das Wasser.

Klient und Begleiter lassen sich ein auf einen gemeinsamen Tanz. Wer führt und folgt lässt sich nicht erkennen. Der Begleiter erlebt diesen Tanz gedehnt und beschleunigt gleichzeitig. Der Widerstand des Wassers und dessen Auftrieb bewirken schwebende Dynamik und fließende Ruhe in einem.

Das Empfinden für Raum und Zeit verändert sich, stellt sich auf die neuen Umstände ein, erinnert sich, dass es das schon einmal erlebt hat - tief vertraut und doch nicht gleich einzuordnen. Der Klient befindet sich in einem ruhigen Schwebezustand, der durch einen unendlichen, unbegrenzten Raum führt - zeitlos.

Spüren wie ein Baby

Intimität und Nähe, wie sie bei der Wasserarbeit entstehen, können vom Beobachter sehr leicht mit Passivität und Ergebenheit in die Hände des Begleiters missverstanden werden.

Doch passiert innerlich sehr viel mehr, als der äußere Schein es vermuten lässt. Daran beteiligt sind zwei Faktoren, die in unserer schnelllebigen, lauten und ausgereizten Zeit stillschweigend immer mehr in Vergessenheit geraten: Es sind Sanftheit und Aufnahmefähigkeit. Also die Bereitschaft, sich ganz und gar einlassen zu wollen.

Und es ist tatsächlich die sanfte Berührung des Wassers und des Begleiters, die das gesamte Sensorium des Klienten zu wecken vermag. Gleichzeitig bedarf es noch der intensiven Rezeptivität. Sie gleicht der staunenden Offenheit des Babys, und lässt es zu, dass wir uns selbst ganz ursprünglich und wertfrei erfahren. Erst jetzt, in diesem Zustand, erhält das Nervensystem die Möglichkeit einer nachhaltigen Umorganisation. Jetzt entstehen neue, potenzielle Alternativen.

Körpertherapeuten, wie Elsa Gindler, Moshé Feldenkrais oder Matthias Alexander arbeiten genau in diesem schmalen Zwischenraum von Intension und motorischer Ausführung. Sie arbeiten an der entscheidenden Umschaltstelle des Körpers und seinem neuralen System. Dort können neue Nervenbahnungen entstehen. Und diese erschließen uns die Welt des Neu- und Umlernens.

Der Schritt ins Wasser - Körpergeschichte Carola

Als wir mit der Wasserarbeit gerade begonnen hatten, erzählten wir unserer Freundin Carola davon. Sie war entsetzt. Seit ihrer Kindheit war sie nicht mehr im Wasser gewesen. Sie hatte damals schlechte Erfahrungen gemacht und wäre beinahe ertrunken. Nach langem Hin Und Her überredeten wir sie, und sie willigte ein, doch mal eine Wasseranwendung auszuprobieren. Wir mussten ihr versprechen, dass wir das Gesicht nicht mit Wasser in Berührung bringen würden.

Nach und nach fasste sie Vertrauen und entspannte sich zusehends. Zu ihrer zweiten Wasserstunde kam sie freiwillig, und man merkte ihr die Freude richtig an. Der Entspannungseffekt trat schneller ein als beim ersten Mal. Sie ließ ihre Angst mit jedem Atemzug abfließen. Nach der Anwendung bat sie um eine Nasenklammer. Nach beinahe 20 Jahren ließ sie sich erstmalig runtersinken und durchtauchte das ganze Becken.

Carola ist heute in ihrem Schwimmbad als die "Taucherin" bekannt. Ihre Spezialität: Abtauchen und sich im Einklang mit dem Wasser bewegen.

Die Erfahrung zeigt: So wie Carola geht es erstaunlicherweise vielen Menschen, wenn sie das erste Mal zu uns kommen. Der Schritt ins Wasser ist gleichermaßen einfach, vertraut und ebenso unheimlich. Er trägt uns zurück an den Anfang, denn im Wasser fing alles an: Wir lebten die ersten neun Monate darin, warm umgeben und sicher.

Einerseits machten wir in dieser Ursuppe die ersten Erfahrungen unseres Entstehens. Sie sind geprägt von zwei grundlegenden Rhythmen: Dem Herzschlag und dem Gehen der Mutter. Damit wuchs unser Vertrauen.

Andererseits ist das Wasser undurchschaubar und geheimnisvoll. In unserer Mythologie ist dem Wasser das Unbewusste zugeordnet, das Abgründige, das Reich der Nymphen und Wasserwesen. In dieser Ambivalenz zwischen Lust und Angst scheint das Faszinierende dieses Elements zu liegen.

Die Chance der Wasserarbeit

Die Wasserarbeit nutzt beides: Das Vertraute und das Neue. In einer Lebenswirklichkeit, die vom Machen geprägt ist, setzt sie bewusst einen Akzent des Seins: Einen Akzent der schwebenden Zeitlosigkeit, in der wir unser Menschsein wieder erfahren können. Hier finden wir, was uns wirklich ausmacht. Hier finden wir zurück zu unserem Wesen. So, wie es schon immer da war - frei von Haltungen und charakterlichen Panzerungen.

Ziel der Wasserarbeit ist es, die Bewusstheit für diesen "heilen Kern" wieder zu wecken. So kann uns der Schritt ins Wasser zu einer Erneuerung führen, die bis in unsere Körperlichkeit hineinwirkt.

AQUA Flow - wenn Gesundheit anfängt Spaß zu machen

Im Kontakt mit dem warmen Wasser und der Berührung des Begleiters kann ein Raum entstehen, in dem sich der Klient geborgen fühlt und sich ohne Bewertung wahrnimmt. Diese Wahrnehmung wirkt generell auf den gesamten Menschen: Etwa so wie ein in den See geworfener Stein, der nicht nur die Wasseroberfläche, sondern das gesamte Wasser in Bewegung versetzt. Jetzt ist es möglich, sich tief zu entspannen und frei von alten Konzepten spontan zu resonieren.

Wir nähern uns in diesem Zustand der Kunst des Loslassens. Diese kann man im Gegensatz zu Muskelkontraktionen nicht direkt machen. Loslassen geschieht auf indirektem Wege. Gelingt sie beschreibt der Klient dieses Gefühl entweder als ein "inneres Schmelzen", als Harmonie oder Freiheit.

"Bewegung ist das einende Band zwischen Geist und Körper und Empfindungen sind der Stoff aus dem das Band besteht." Deane Juhan

Die Griechen kannten den Begriff "Eudaimonia", der die Glücksempfindung eines Menschen kennzeichnete, dessen körperliche und geistige Kräfte sich ungehindert entfalten können - Kurzum: Der das Gefühl hat, Bäume ausreißen zu können.

Mit dem Flow begeben wir uns in den "Plus-Bereich" des Selbstgefühls. So, wie wir auch verschiedene Grade des Krank-Seins unterscheiden, ist auch Wohlbefinden klassifizierbar. Im Plus-Bereich des Flow operieren wir mit ver-schiedenen Energie-Niveaus. Der Flow, der uns trägt, kann ganz unterschied-liche Qualitäten haben. Die Skala reicht von "schmerzfrei" bis hin zu Empfin-dungen von Glück und Ekstase. Die asiatischen Lehren des Yoga und Tai Chi zeigen uns, wie man bewusst ganz bestimmte Qualitäten ansteuern kann. Es sind Methoden, die Energie zu steigern, um Flow herzustellen.

Was passiert nun mit uns, wenn wir in den Plusbereich des Selbstgefühls wechseln? Es scheint als wäre der Flow nicht mehr nur "in uns", sondern ginge über uns hinaus. Die Steigerung von Energie kommt der Ausdehnung eines Flow - Feldes nahe, in dem wir uns geborgen wissen. Flow spüren wir als Ausstrahlung, Weite, Kontaktbereitschaft, pulsierende Elastizität - als ein Zustand selbstvergessener Präsenz. Gesundheit bekommt eine andere, eine leichtere Dimension, sie fängt an Spaß zu machen.

Kommen wir in´s Wasser, inspiriert uns der Flow des Wassers und lockt unseren eigenen gewissermaßen heraus. Wasser mit seinen Fließeigenschaften ist der perfekte (Ver-)Mittler von Flow - Zuständen. AQUA Flow beginnt, wenn wir aufmerksam sind für das Fließen und es für uns nutzen. Er entsteht, wenn wir unserer Phantasie freien Lauf lassen und doch ganz bei der Sache sind. AQUA Flow entseht, wenn wir ganz in Einklang mit dem Element kommen.

Jetzt offenbart uns das Wasser seine Qualität: Wir spüren, wie es uns trägt, gleichzeitig birgt und mit tausend Händen sanft massiert. Wasser kann uns den Weg weisen zum Wesen von Bewegung und Beweglichkeit und dem damit verbundenen Wissen, dass alles fließt: panta rhei.

In Balance Team - Wolfram & Ricarda Geiszler
Markgrafenallee 44, 95448 Bayreuth,
Tel. 0921 - 87 10 600, http://www.inbalance-team.de/

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