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Ein dickes Problem: Sich dünne machen

von Manfred Otzelberger, RNT
Nordbayerischer Kurier, 6. / 7. Mai 2000

Weg mit Crash-Diäten: Wie man ohne Jo-Jo-Effekt Pfunde verliert und nebenbei eine neue Einstellung zum Leben bekommt

Ricarda Geiszler war schon immer ein pfundiges Wesen. Drei Pfund wog sie, als sie im siebten Monat als Frühchen auf die Welt kam. Von ihrer Mutter wurde das zarte Mädchen hochgepäppelt und mit allem, was dick macht, gemästet, bis ein Arzt aufklärte: "Sie können aus einem Windhund keinen Mops machen."

Die heute 48-jährige Therapeutin durfte gertenschlank bleiben, derzeit wiegt sie 51,5 Kilo. "Aber wie viele Frauen kenne ich das Problem, sich zu dick zu fühlen. Während meiner Ausbildung als Gymnastiklehrerin verhüllte ich meinen Hintern und die Oberschenkel mit einem weiten Pullover, weil sie mir zu dick vorkamen. Dabei habe ich nie mehr als 58 Kilo gewogen."

Ihr Mann Wolfram Geiszler, 38, hatte ein ähnliches Problem: Lange war der lange Schlaks zu dünn. 68 Kilo auf 190 Zentimeter - viel zu wenig. Heute wiegt der Tänzer und Atemlehrer 80 Kilo, die einstigen Ernährungsprobleme sind passé.

Der Dreiklang

Als vielseitig ausgebildete Therapeuten haben beide einen ganzheitlichen Ansatz im Kampf gegen das Fett der Menschen, die zu ihnen kommen: ein Dreiklang aus Bewegung, Ernährung und Entspannung, nach den neuesten Erkenntnissen der Trainingslehre und Ernährungswissenschaft konzipiert. Nicht umsonst nennen sich die Geiszlers "In Balance Team". Ihr prächtiges Wohlfühl-Studio liegt gegenüber dem Gefängnis, aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen: Die großen, hellen, harmonischen Räume - einer davon hat 100 Quadratmeter - strahlen Charme, Wärme und Freiheit aus.

Hier wir Dicken geholfen, Wolfram Geiszler joggt aber auch draußen mit Menschen: "Viele laufen aus folgenden Gründen nicht. Sie wollen nicht das Schlusslicht einer Läufergruppe sein. Sie kriegen den Dreh zum Laufen nicht allein. Diese Leute, die das Thema Gesundheit oft jahrelang ausgeklammert haben und sich nun langsam herantasten, wollen wir natürlich auffangen. Unsere Zielgruppe sind weniger die, die sich "fit, schlank und braungebrannt" auf ihre Fahne geschrieben haben."

Auch im Wasser arbeitet das Therapeutenpaar mit seinen Klienten, die Bayreuther Lohengrin-Therme ist ideal: "Da ist viel mehr möglich als an Land, die Gelenke werden beim Gehen unter Wasser (Aquarunning) kaum belastet. Unter Wasser Musik zu hören entspannt zusätzlich. Übergewichtige haben Probleme mit der Entspannung, sie haben oft entgegen dem Klischee vom gemütlichen Dicken ihre Mitte verloren. Wir helfen den Menschen, sich wieder zu sammeln und es in den Alltag zu übertragen."

Manche finden sich in der Luft - wenn sie beim Federn auf dem Mini-Trampolin abheben. Die Körpersäfte fließen, die Bioenergetik kommt in Gang, der Pulsschlag geht nicht über 150 und wirkt deshalb kalorienreduzierend. "Während des Schwingens steigt die Zahl der fettverbrennenden Enzyme um das Neunfache. Bewegung ist die Diät, die ewig hält. Im Gegensatz zu Crash-Diäten, die für viele die Treppe zum Dicksein sind."

Die werden von den Geiszlers ebenso strikt wie Ess-Verbote abgelehnt. Das ist die Parallele zu den Weight-Wachters, der größten Selbsterfahrungsgruppe von Dicken, die vor 30Jahren in den USA gegründet wurde. In Deutschland gibt es 1000 Gruppen mit wöchentlich bis zu 35 000 Kunden, eine davon auch in Bayreuth. Sabine Völkel ist die Gruppenleiterin: "Das Geheimnis ist die Gemeinschaft, die Mitglieder motivieren sich: Du schaffst es, also schaff ich es auch. Hilfe zur Selbsthilfe."

37 Kilo hat Sabine Völkel in neun Monaten abgenommen: "Ich wog 99 Kilo, die 100 wollte ich auf keinen Fall überschreiten. Mein Mann war begeistert, aber ich spürte auch bei manchen Neid. Ich nahm ab, obwohl ich alles essen konnte."

Abwiegen und abmessen gehören der Vergangenheit an. Kriterium für eine erfolgreiche Abnahme ist lediglich die Reduktion von Fett. Das Essen wird in grüne, gelbe und rote Portionen aufgeteilt. Grün steht für Obst und Gemüse, Gelb für Milch- und Getreideprodukte, Fleisch oder Fisch. Rot für Schokolade und Wein." "Aber nichts schmeckt so gut, wie Schlanksein sich anfühlt", wissen die meisten Weight Watchers.

Die Diät-Checkliste

Die Verbraucherzentrale Bayern hat eine Checkliste für seriöse Angebote erstellt. Versprechungen und Erfolgsgarantien wie z.B. "In 6 Tagen garantiert 7 Kilogramm abnehmen" sind unrealistisch und deshalb unseriös. Selbst bei der umstrittenen Nulldiät können Sie maximal 3.5 Kilogramm pro Woche abnehmen. Ihr Ziel sollte aber nicht das schnelle Abnehmen sein. Maximal 500 Gramm pro Woche zu verlieren, ist sinnvoller, um langfristig das Gewicht halten zu können. Schnelles Abnehmen endet meistens mit ebenso schnellem Zunehmen bis zu einem Gewicht, das meist höher ist als vor Beginn der Diät (Jo-Jo-Effekt). Das ständige Auf und Ab kann langfristig zu einer Essstörung und im Extremfall bis zur Ess-Brech-Sucht (Bulimie) und Magersucht führen.

Die einzelnen Phasen des Diätkurses sollten verständlich und nachvollziehbar sein. Optimal ist es, wenn ein Bewegungs- und Verhaltenstraining und eine psychologische Betreuung mit der Ernährungsberatung im Kurs kombiniert werden.

Eine ärztliche Untersuchung, z.B. durch den Hausarzt, sollte die Voraussetzung für die Teilnahme an dem Kurs sein. Der Begriff "Ernährungsberater"/in" ist nicht geschützt, so dass jeder sich so nennen kann. Fragen Sie nach, welche Qualifikation der Kursleiter oder die Kursleiterin hat.

Ein Präparat (Injektion, Formuladiät, Nahrungsergänzung) darf nicht den Kern Ihres Diät Programmes ausmachen. Es kann Ihnen zwar den Einstieg in die Diät erleichtern. Das Mittel sollte aber schrittweise durch normale Mahlzeiten ersetzt werden.

Das Ess-Tagebuch

Ursachen können psychologische Faktoren wie Heißhungerattacken oder Essanfälle sein und die Vorliebe für fetthaltige Lebensmittel. Zur Ursachenfindung eignen sich sogenannte Ernährungsprotokolle der Tagebücher. Die Teilnehmer schreiben darin auf, warum sie essen und welche Lebensmittel sie im Laufe mehrerer Tage essen.

Eine Energieaufnahme von 1000 kcal pro Tag sollte nicht unterschritten werden. Ein krasser Verzicht verursacht Hungerattacken, Crash- und Blitzdiäten sind grundsätzlich abzulehnen.

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